GESCHICHTE


Das Gebiet des heutigen Rußland westlich des Ural war seit der Altsteinzeit besiedelt. Seit dem 2. Jahrtausend v. Chr. drangen verschiedene Reitervölker wie Kimmerier, Skythen und Sarniten in das Land ein.
Der erste Zusammenschluß slawischer Stämme erfolgte im 9. Jahrhundert um das Zentrum Kiew. Unter Wladimir I. (dem Heiligen) gelangte 988 n. Chr. das Christentum nach Rußland, Anfang des 13. Jahrhunderts eroberten die Mongolen das Gebiet. Der erste russische Zentralstaat wurde von Iwan III. gegen Ende des 15. Jahrhunderts gebildet, unter seiner Regentschaft konnte 1480 auch die Herrschaft der Mongolen beendet werden.
1547 wurde Iwan IV. (der Schreckliche) zum ersten Zaren von Rußland gekrönt. Unter seiner von 1546 bis 1584 dauernden Herrschaft konnte das Staatsgebiet beträchtlich erweitert werden, die nachfolgenden Zaren führten seine Expansionspolitik fort. Peter I. (der Große) und Katharina II. (die Große) trieben die Europäisierung von Rußland voran. Schließlich wurde es nach dem Befreiungskrieg gegen Napoleon mit dem Wiener Kongreß 1815 zur europäischen Großmacht.
Bis zum 1. Weltkrieg erstreckte sich das Reichsgebiet von Warschau im Westen bis nach Wladiwostok im Osten.

Innenpolitische Spannungen durch die Verarmung der Bauernschaft, die nach Abschaffung der Leibeigenschaft Mitte des 19. Jahrhunderts bei der Neuverteilung des Bodens benachteiligt worden war, hatten bereits im 19. Jahrhundert zur offenen Opposition gegen die Zarenfamilie geführt. Seit dem Beginn der industriellen Revolution, in deren Folge sich ein immer größer werdendes, unter elendsten Bedingungen dahinvegetierendes Industrieproletariat entwickelte, wuchs der Widerstand gegen die Zarenherrschaft, während der sogenannten Februarrevolution und Oktoberrevolution 1917 kam er offen zum Ausbruch. Zar Nikolaus II. mußte abdanken, der Anführer der Bolschewiki Wladimir Uljanow (Lenin) errichtete nach der Oktoberrevolution 1917 eine erste Sowjetregierung, den Rat der Volkskommissare. Lenin löste das Parlament auf und verbot alle anderen Parteien. Aus dem bis 1921 dauernden Bürgerkrieg zwischen Lenins Roter Armee und den “weißen” Armeen, die sich u. a. aus Monarchisten und bürgerlichen Kräften zusammensetzten, gingen die Bolschewiki als Sieger hervor.

1922 wurde die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) gegründet. Als Lenin 1924 starb, übernahm Josef Stalin nach internen Machtkämpfen die Führung. Er ließ zunächst seine Gegner ausschalten, industrialisierte das Land und setzte die Kollektivierung fort. Zu Beginn des 2. Weltkrieges besetzte die UdSSR polnisches Gebiet östlich des Bug. 1941 griff das Deutsche Reich die UdSSR an, obwohl am 28. September 1939 ein Nichtangriffspakt zwischen Hitler und Stalin unterzeichnet worden war. Nach einem raschen Vorstoß konnte die deutsche Wehrmacht ab 1942 zurückgedrängt werden. Den sich zurückziehenden deutschen Truppen folgte die Rote Armee und annektierte in der Folge zahlreiche Gebiete Osteuropas.

Nach Stalins Tod 1953 übernahm Nikita Chruschtschow die Staatsführung. Seine Reformmaßnahmen und eine liberalere Haltung in der Außenpolitik stießen bei seinen Gegnern auf starke Kritik, so daß Chruschtschow 1964 durch Leonid Breschnew abgelöst wurde. Breschnew begegnete den nationalistischen Bestrebungen in den sowjetischen Satellitenstaaten, indem er mehrere Aufstände blutig niederschlagen ließ: So rückten z. B. 1968 Truppen des Warschauer Paktes in die damalige Tschechoslowakei ein. 1979 fiel die Rote Armee in Afghanistan ein und begann damit einen mehr als zehnjährigen
Krieg.1985 wurde Michail Gorbatschow zum neuen Parteichef gewählt. Sein Ziel war die gesellschaftliche Umgestaltung (Perestroika), die von einer neuen Offenheit (Glasnost) unterstützt werden sollte. Gorbatschows Politik verbesserte das Verhältnis zu den westlichen Ländern und ermöglichte es den Staaten des östlichen Machtblocks, ihre Unabhängigkeit zu erlangen.

Unabhängigkeitsbestrebungen in einzelnen Unionsrepubliken versuchte Gorbatschow zunächst entgegenzuwirken, indem er die Präsidialmacht ausbaute. Nach einem mißglückten Putsch gegen ihn im August 1991 mußte Gorbatschow zurücktreten, und Boris Jelzin übernahm die Macht. Am 8. Dezember 1991 wurde die Gemeinschaft unabhängiger Staaten gegründet, die UdSSR war damit aufgelöst.

Jelzin führte zunächst die Reformen fort, wurde aber immer wieder durch konservative Kräfte behindert. Schließlich löste er im September 1993 das Parlament auf. Nach einem Putschversuch ließ Jelzin das Weiße Haus, in dem sich seine Gegner verschanzt hatten, erstürmen. 1993 wurden Parlamentswahlen abgehalten, aus denen die kommunistischen Parteien als stärkste Gruppierungen hervorgingen; nur eine Verfassungsänderung, die die Position des Präsidenten stärkte, sicherte Jelzin die Macht.


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